Im Land Gottes

Zum Abschluss unserer Reise flogen wir von Delhi in God’s Own Country, wie sich der südindische Staat Kerala ziemlich unbescheiden nennt.

(Ob Gott weiss, dass Kerala – wie unser Fahrer Shafi behauptete – den höchsten Pro-Kopf-Alkoholkonsum weltweit hat? Wir wollten es zuerst auch nicht glauben, bis wir dann ein Handgemenge vor einem offiziellen Liquorshop hautnah miterlebten).

Kathakali Show in Kochi
Traditionelle Kathakali Show in Kochi (ohne Alkoholeinfluss...)

Aber Kerala hat nicht nur Alkohol, sondern auch jede Menge Teeplantagen. Solche hatten wir noch nicht gesehen, umso eindrücklicher daher die hügelige Landschaft um Munnar.

Teeplantagen bei Munnar
Teeplantagen bei Munnar

Darüber hinaus ist Kerala auch das Gewürzparadies Indiens. Egal ob Pfeffer, Kardamom, Kurkuma oder das uns bis dato unbekannte Five Spices – in der Gegend um Periyar wächst alles.

Kerala unterscheidet sich von Nordindien in so ziemlich jedem Punkt. Sprache (Malayalam statt Hindi), Lese- und Schreibfähigkeit der Einwohner (99.8% vs. etwa 40% im Norden) und  Toiletten pro Haushalt (ca. 100%). Und die Männer tragen lustige Röcke, Dhotis genannt.

Mann mit Rock
Mann mit Rock

Auch das Essen ist komplett anders: Hier kommt alles auf den Teller, egal ob Schaf, Huhn oder Kuh. Angenehmerweise spazieren daher auch keine Kühe durch die Strassen. Der private Kochkurs im Hause einer indischen Familie in Thekaddy gehörte zweifellos zu den Highlights unserer Reise. Gegessen wird auch hier mit den Händen.

Meet the Locals
Meet the Locals

Nach der wenig spektakulären, dafür sehr entspannenden Fahrt mit dem Hausboot in den Backwaters von Alleppey…

Hausboot auf Backwaters
Hausboot auf Backwaters

… gings weiter nach Kovalam. Dort verbrachten wir die letzte Woche mit viel Relaxen, Ayurveda (Madame) und ersten Schritten im Golf (Monsieur).

Weitere Impressionen aus Kerala sind auf Flickr zu finden.

Dem Tiger auf der Spur

Aller guten Dinge sind drei, daher hier der dritte und letzte Bericht über unseren Rajasthan-Roadtrip.

Jaipur
Die Pink City ist bekannt für ihre mächtigen Forts, den Palast der Winde (hinter dessen Fassade die Haremsdamen des damaligen Herrschers das Treiben auf der Strasse verfolgen durften) und unzählige Bazars.

Palast der Winde, Jaipur
Palast der Winde, Jaipur

Ranthambore National Park
Auf Empfehlung von Walter’s Reisememo (und auch weil unser Zugticket nach Varanasi immer nur auf Warteliste blieb und zudem Pushkar schon spirituell genug war) wollten wir uns – nach all den Kühen – einen Tiger gönnen.

Zuerst kündigte er sich nur durch seine Spuren an…

Tiger Spuren im Sand
“Deine Spuren im Sand”

…dann schlug der schwarzgesichtige Langur, der sich als blinder Passagier in unseren offenen Bus gesetzt hatte, plötzlich Alarm…

Affiger Beifahrer
Schwarzgesichtiger, blinder Passagier

…die Hirsche verloren ihre Gelassenheit und beendeten ihr Bad…

Springende Hirsche
Fertig gebadet

…und dann war sie da, die bengalische Tigerin (es gibt 36 Tiger im Park, derzeit; wir mussten drei Safaris unternehmen, um endlich einen zu sehen). Leider etwas weit weg von der Linse, aber immerhin.

Tiger Lady
Tiger Lady

Und dann noch das teuerste Geschenk, das einer Frau (die zudem bereits tot war…) je gemacht wurde:

Der Taj Mahal in Agra. Da braucht es keine weiteren Worte mehr…

Taj Mahal von Westen
Taj Mahal von Westen
Sibylle und der Taj
Sibylle und der Taj

Heilige Stadt, heilige Kuh

Liebe Familie, liebe Freunde: Wir bleiben in Indien und kehren nie mehr zurück!

(das ist doch mal ein Einstieg, oder? Madame meint, im letzten Blogeintrag sei zu wenig zum Ausdruck gekommen, wie gut es uns in Indien gefällt, darum soviel zur Klärung: Es ist herrlich hier in Rajasthan. Das (meist vegetarische und sehr günstige) Essen ist ausgezeichnet, der Magen-Darm-Trakt hält sich wacker, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit (und sehr neugierig ggü. uns gora), das Land generell sehr abwechslungsreich und wir sammeln täglich farbenfrohe Eindrücke. Aber die bekannten Klischees stimmen: Auf den Strassen überall kackende Kühe, wirblige Händler und viel Gebettel…)

Verkehrsteilnehmer, Pushkar

Udaipur
Die weisse Stadt oder Stadt der Seen ist derart schön, man möchte sie am liebsten nie mehr verlassen. Es gibt unzählige Paläste und viele Rooftop-Restaurants, von denen man auf den Pichola-See sieht, wo es 1983 schon Roger Moore zu Octopussy’s Lake Palace hinzog (anders als in Vang Vieng läuft darum statt Friends überall der Bond-Streifen).

Udaipur by night

Nicht verpassen sollte man eine Bootsfahrt auf dem See sowie die abendliche Folklore-Show im Bagore Ki-Haveli.

Aber nach 3 Nächten (wir empfehlen ein Seesicht-Zimmer (30$) im Mewar Haveli und insb. dessen Dachrestaurant – dort wartet man auch nicht stundenlang auf Bedienung, Essen und Rechnung wie in vielen anderen Restaurants in Indien) mussten wir dann doch weiter.

Pushkar
Die heilige Stadt ist, wie erwartet, hochgradig spirituell. Alkohol und Fleisch gibt es nicht, dafür barfüssige israelische Hippies, hennagefärbte Damen mittleren Alters im fortgeschrittenen Stadium der Selbstfindung, aufdringliche (selbsternannte?) brahmanische Priester – und eine entspannte, wirklich schöne Atmosphäre am Sarovar-See.

Sarovar Lake Pushkar

Man kann dem ganzen “Gschpürsch-mi” auch ganz gut entfliehen, indem man auf Kamelsafari geht. Oder den Blog aktualisiert 😉

In Pushkar meditieren sogar die Affen!

Hotels und Backpackerabsteigen gibt es viele, aber kaum gute (wir haben uns 9 angesehen…!!). So blieben wir eine Nacht im Seventh Heaven (mit gutem Rooftop-Restaurant) und eine im Dia (die beide Mr Anoop gehören). Das Zimmer im Seventh Heaven war mit 11 Stutz das billigste unserer bisherigen Reise…und hatte trotzdem heisses Wasser, was in Indien nicht immer gegeben ist. Auch das Restaurant Raju am Main Bazaar ist sehr gut.

Weitere Fotos von unserem Rajasthan-Roadtrip sind auf Flickr zu finden.

Roadtrip in Rajasthan

Die letzte Destination unserer Reise ist Incredible India – so der offizielle Slogan, der unserer Meinung nach nicht zuviel verspricht. Aber der Reihe nach.

(New) Delhi
Die Hauptstadt hat mehr zu bieten, als wir erwartet hatten. Insb. die Grabstätte von Humayun (Vorläufer des Taj Mahal) wusste zu gefallen, aber auch die zahlreichen religiösen Stätten der Muslime.
Von einer Buchung des Hotels Pearl raten wir dringend und nachhaltig ab.

Humayun's Tomb, New Delhi

Mandawa
Der erste Stopp unseres Rajasthan-Roadtrips mit Fahrer Vijay führte uns nach ca. 3 Stunden Stau und 5 Stunden Holperpiste doch noch nach Mandawa, wo es einige Havelis und ein Fort zu besichtigen gibt.

Picture? 20 Rupees!

Vom Hotel Heritage Mandawa und insb. dessen Restaurant müssen wir leider ebenfalls abraten.

Bikaner
In etwa drei Stunden erreicht man Bikaner, mit seinem eindrücklichen Fort, einer weltweit bekannten Kamelzucht und – etwas ausserhalb – dem Rattentempel, der im wahrsten Sinne des Wortes ein solcher ist. Incredible, indeed.

Bikaner Camel farm, 357 Kamele (4 Rassen)
Rattentempel

Jaisalmer
Ein Highlight dann Jaisalmer, die goldene Stadt in der Thar-Wüste. Wir nächtigten oben im Fort im Hotel Garh Jaisal, das wir trotz kleiner Mängel und eher hohen Preisen empfehlen – die Aussicht ist unschlagbar.

In Jaisalmer trafen wir den Guide Raju, der uns auf seinem Töff elegant durch die engen Gassen zu den wirklich eindrücklichen Havelis, den Shops seiner Familie und sogar zu einem halb-öffentlichen Juwelen-Grosshändler brachte. Der Familie gehört auch das Restaurant Jaisal Italy, das mit bester Lage und Aussicht besticht. Für indische Küche geht man ins Trio oder ins Monica.

Anderntags besuchten wir den Raj Mahal und einige Jain-Tempel.

Raj Mahal, Fort Jaisalmer

Manche Wüstenkinder, so wurde uns erzählt, warten bis zu ihrem 7. Lebensjahr, um erstmals Regen zu sehen. Bei uns war es schon am 2. Tag soweit. Die Einheimischen feierten das seltene Ereignis ausgiebig – wir wurden so um unseren Kamelritt gebracht, doch die Trauer hielt sich in Grenzen, denn wahnsinnig bequem kann das nicht sein…

Jodhpur
Ueber der blauen Stadt Jodhpur thronen das imposante Mehrangarh Fort und gleich daneben das Mausoleum Jaswant Thada.

Mehrangarh Fort, Jodhpur

Im Kothi Heritage Hotel fühlt man sich fast wie ein Teil der Familie. Wunderbar auch das 40km weiter südlich gelegene Hotel Rohet Garh.

Weitere Fotos unserer ersten eindrucksvollen Woche in Rajasthan sind auf Flickr.

Fortsetzung folgt.